Newsletter
autorenteam

















themensuche
Zur Debatte um die Netzneutralität

Mario Gongolsky
Foto. DE-CIX
Für die Bayerische Landesanstalt für neue Medien lieferte MediaClinic zwei Artikel zum Thema Netzneutralität. Befeuert durch Äußerungen des Telekom-Chefs René Obermann, steht das Thema ganz weit oben in den Schlagzeilen.

Heute ist das Netz neutral: Es kümmert sich bei der Zustellung der Daten weder um den Absender noch um den Inhalt. Der harte Wettbewerb um die Kunden der letzten Meile, hat die Flatrate als gängiges Tarifmodell manifestiert. Doch mit steigender Bandbreite steigt auch das verwendete Datenvolumen. Dennoch sind die Flatratepreise stabil. Was die Telekommunikationskonzerne nicht sagen: Bandbreite wird immer billiger. Hier soll der Eindruck schrumpfender Margen suggeriert werden.

Obermann forderte, die großen Datenversender wie Google und Apple, sollen sich stärker an den Kosten der Infrastruktur beteiligen. Nur warum sollten sie das tun? Zwischen ihnen und meinem Internetprovider gibt es keine Geschäftsbeziehung.

Netzaktivisten glauben an einen Anschlag auf den diskriminierungsfreien Datenverkehr. Wenn sich führende Inhalteanbieter mit dem Zugangsdienstleistern verbünden, fällt das Internet in die Hand weniger Großkonzerne. Das Szenario unterstellt, die Daten der Verbündeten erreichen die Internetnutzer zügiger als die der Mitbewerber. Zwischenfälle wie die Comcast-Affäre, nachzulesen unter (http://www.gulli.com/news/comcast-bittorrent-blockade-in-2008-02-10/) oder das Verizon-Google-Papier, amüsant zu lesen in der Zeit unter (http://www.zeit.de/digital/internet/2010-08/google-verizon-mittelalter) oder hier im Original (http://googlepublicpolicy.blogspot.com/) heizen diesen Verdacht an.

Das weiterhin ins Feld geführte Argument der Dienstgüte (Quality of Service) ist eine weitere Komponente der Diskussion. Für wichtige Echtzeitanwendungen, sollte das Netz in der Lage sein, bestimmten Datenpaketen eine Überholspur anzubieten. Genau dies widerspricht der Netzneutralität in seiner klassischen Auslegung, alle Daten seien gleich zu behandeln.

Für die Bayerische Landesanstalt für neue Medien lieferte MediaClinic (Mario Gongolsky) zwei Artikel zum Thema Netzneutralität. Der eine ist gerade online als Top-Thema der BLM unter (http://www.blm.de/de/pub/aktuelles/topthemen/netzneutralitaet.cfm) erscheinen und beleuchtet das Thema aus Verbrauchersicht. Ein anderer Beitrag, der sich an ein Fachpublikum wendet, wird in der „Tendenz” zu lesen sein.

Diese Diskussion ist richtig und wichtig für die Zukunft der Netze. Ich glaube, die Netzneutralitätsdebatte würde nicht in der Dringlichkeit diskutiert, wenn die Verbindungspreise ins Internet nicht so festgefahren wären. Nicht wenige glauben, man müsse es schaffen zu volumenbasierten Tarifen zurückfinden. Doch wie antwortete mir Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg so treffend mit einem Thatcher-Zitat: „Aus dem Omlett wird kein Ei mehr.”

29.9.2010

Bemerkungen: 
E-Mail-Anfrage: Mario Gongolsky Telefon: 0228-298140